"Für mich ist es erst abgeschlossen, wenn ich die ganze Wahrheit weiß. In unseren Herzen hat Falko seinen Stammplatz und wir werden uns immer an ihn erinnern. Freunde sterben nicht."

Falko Lüdtkes beste Freundin Sandra

"Er hat mich eigentlich immer mit positiven Dingen angespornt und das fand ich bei ihm ganz, ganz gut."

damalige Freundin von Farid Guendoul

"Kajrat ging Konflikten immer aus dem Weg. Nach dem Tod seines Vaters hat mein ältester Sohn für die Familie gesorgt."

Mutter von Kajrat Batesov

"Dieter hat niemanden gestört. Der war ein ganz Ruhiger, nur zu viel getrunken hat er, und sein Leben nicht mehr auf die Reihe bekommen."

Freunde von Dieter Manzke

Vielleicht gerade wegen seiner überlegten Ruhe, war er quer durch alle Nationen sehr beliebt bei den Bewohnern. Er kochte gern und gut und hatte eine sehr höfliche, freundliche Art."

SozialarbeiterInnen der Flüchtlingsunterkunft zu Belaid Baylal

"Sven war ein freundlicher und ruhiger Mensch, der niemals nein sagen konnte. Dieses Ende hatte er ganz sicher nicht verdient!"

ein Jugendfreund

Wir erinnern an die Todesopfer rechter Gewalt in Brandenburg. Alle waren Familienväter, Lebensgefährten, Söhne oder gute Freunde und wurden plötzlich aus ihrem Leben gerissen. Sie mussten sterben, weil die Täter menschenverachtende Einstellungen verinnerlichten und den Wert eines Menschen an seiner Hautfarbe, seiner Herkunft, seines sozialen Status, seiner körperlichen oder seiner psychischen Beeinträchtigung bemaßen. Eine Meinung, die in unserer Gesellschaft leider weit verbreitet ist.

Viele der Taten liegen schon lange zurück. Manche Schicksale sind bundesweit bekannt, andere seit Jahren scheinbar vergessen. Über das Leben vieler Menschen wissen wir nichts. Aber wir wissen: Sie waren Menschen mit Hoffnungen und Träumen, die ihnen von den Tätern genommen wurden.

Ein öffentliches Gedenken an die Todesopfer rechter Gewalt beschränkt sich in Brandenburg leider nur auf wenige Städte. Zumeist sind es Angehörige, FreundInnen oder lokale Initiativen, die die Erinnerung an die Verstorbenen wach halten. Sie haben diese Seite mit ihren Texten, Fotos, Erinnerungen und Materialien unterstützt. Vielen Dank dafür!

 

Übersichtskarte Tatorte

Mehr Informationen: Auf die farbigen Punkte in der Karte klicken!

Lübbenau (OSL) - Andrzej Fratczak
Lübbenau (OSL)
Andrzej Fratczak
Angriffsdatum: 07.10.1990
Tatmotiv: Hass auf Ausländer (Rassismus)
Hohenselchow (UM) - Gerd Himmstädt
Hohenselchow (UM)
Gerd Himmstädt, 30 Jahre
Angriffsdatum: 01.12.1991
Tatmotiv: Ablehnung von sozial Marginalisierte (Sozialdarwinismus)
Neuruppin (OPR) - Emil Wendland
Neuruppin (OPR)
Emil Wendland, 50 Jahre
Angriffsdatum: 01.07.1992
Tatmotiv: Hass auf Obdachlose (Sozialdarwinismus)
Bad Belzig (PM) - Belaid Baylal
Bad Belzig (PM)
Belaid Baylal, 42 Jahre
Angriffsdatum: 08.05.1993
Todestag: 4.11.2000
Tatmotiv: Hass auf Ausländer (Rassismus)
Fürstenwalde (LOS) - Horst Hennersdorf
Fürstenwalde (LOS)
Horst Hennersdorf, 37 Jahre
Angriffsdatum: 05.06.1993
Tatmotiv: Hass auf Obdachlose und sozial Marginalisierte (Sozialdarwinismus)
Straussberg (MOL) - Hans-Georg Jakobson
Straussberg (MOL)
Hans-Georg Jakobson, 35 Jahre
Angriffsdatum: 28.07.1993
Tatmotiv: Hass auf Obdachlose und sozial Marginalisierte (Sozialdarwinismus)
 Velten (OHV) - Gunter Marx
Velten (OHV)
Gunter Marx, 42 Jahre
Angriffsdatum: 06.08.1994
Tatmotiv: Wurde von rechten Skinheads aus Habgier erschlagen. Kein politisches Motiv ersichtlich.
Eisenhüttenstadt (LOS), Andreas Götz
Eisenhüttenstadt (LOS)
Andreas Götz, 34 Jahre
Angriffsdatum: 01.08.1996
Tatmotiv: Wurde von rechten Skinheads aus Habgier erschlagen. Kein politisches Motiv ersichtlich.
Fredersdorf (MOL), Phan Van Toau
Fredersdorf (MOL)
Phan Van Toau, 42 Jahre
Angriffsdatum: 31.01.1997
Todestag: 30.04.1997
Tatmotiv: Hass auf Ausländer (Rassismus)
Caputh (PM), Antonio Melis
Caputh (PM)
Antonio Melis, 37 Jahre
Angriffsdatum: 13.02.1997
Verdachtsfall
Cottbus, Mathias Scheydt
Cottbus
Mathias Scheydt, 39 Jahre
Angriffsdatum: 23.09.1997
Tatmotiv: Hass auf politische Gegner
Angermünde (UM), Erich Fisk
Angermünde (UM)
Erich Fisk, 59 Jahre
Angriffsdatum: 23.09.1997
Todestag: 30.08.1998
Tatmotiv: Hass auf Obdachlose (Sozialdarwinismus)
Eberswalde (BAR), Falko Lüdke
Eberswalde (BAR)
Falko Lüdke, 22 Jahre
Angriffsdatum: 31.05.2000
Tatmotiv: Hass auf politische Gegner (Punks)
Wittenberge (PR), Klaus Dieter Harms
Wittenberge (PR)
Klaus Dieter Harms, 61 Jahre
Angriffsdatum: 09.08.2001
Verdachtsfall
Wittstock (OPR), Kajrat Batesov
Wittstock (OPR)
Kajrat Batesov, 24 Jahre
Angriffsdatum: 04.05.2002
Todestag: 23.05.2002
Tatmotiv: Ablehnung von Ausländern (Rassismus)
Neu Mahlisch (MOL), Ronald Masch
Neu Mahlisch (MOL)
Ronald Masch, 29 Jahre
Angriffsdatum: 01.06.2002
Tatmotiv: Wurde von rechten Skinheads aus Habgier und Mordlust getötet, kein politisches Tatmotiv ersichtlich.
Frankfurt (Oder), Enrico Schreiber
Frankfurt (Oder)
Enrico Schreiber, 25 Jahre
Angriffsdatum: 29.03.2003
Tatmotiv: Hass auf politische Gegner (Punk)
Eberswalde (BAR), Amadeu Antonio
Eberswalde (BAR)
Amadeu Antonio Kiowa, 28 Jahre
Angriffsdatum: 25.11.1990
Tatmotiv: Hass auf Ausländer (Rassismus)
Lehnin (PM), Rolf Schulze
Lehnin (PM)
Rolf Schulze, 52 Jahre
Angriffsdatum: 07.11.1992
Tatmotiv: Hass auf Obdachlose (Sozialdarwinismus)
Brandenburg a.d.H., Sven Beuter
Brandenburg an der Havel
Sven Beuter, 23 Jahre
Angriffsdatum: 15.02.1996
Tatmotiv: Hass auf politische Gegner (Punks/Linke)
Königs Wusterhausen (LDS), Augustin Blotzki
Königs Wusterhausen (LDS)
Augustin Blotzki, 59 Jahre
Angriffsdatum: 08.05.1997
Tatmotiv: Hass auf Ausländer (Rassismus)
Guben (SPN), Farid Gouendoul
Guben (SPN)
Farid Guendoul, 28 Jahre
Angriffsdatum: 13.02.1999
Tatmotiv: Hass auf Ausländer (Rassismus)
Dahlewitz (TF), Dieter Manske
Dahlewitz (TF)
Dieter Manske, 61 Jahre
Angriffsdatum: 09.08.2001
Tatmotiv: Hass auf Obdachlose und sozial Marginalisierte (Sozialdarwinismus)
Potzlow (UM), Marinus Schöberl
Potzlow (UM)
Marinus Schöberl, 17 Jahre
Angriffsdatum: 12.07.2002
Tatmotiv: Hass auf Juden / Hass auf Schwächere
Templin (UM), Bernd Köhler
Templin (UM)
Bernd Köhler, 55 Jahre
Angriffsdatum: 22.07.2008
Tatmotiv: Hass auf Obdachlose und sozial Marginalisierte (Sozialdarwinismus)
Meuro (OSL), Timo Kählke
Meuro (OSL)
Timo Kählke, 29 Jahre
Angriffsdatum: 12.12.1991
Tatmotiv: Machtdemonstration / Selbstjustiz
Schwedt (UM), Wolfgang Auch
Schwedt (UM)
Wolfgang Auch, 28 Jahre
Angriffsdatum: 16.09.1991
Todestag: 22.09.1991
Tatmotiv: Ablehnung von sozial Marginalisierte und psychisch Erkrankte (Sozialdarwinismus)
Klein Mutz (OHV), Ingo Ludwig
Klein Mutz (OHV)
Ingo Ludwig, 18 Jahre
Angriffsdatum: 05.01.1992
Verdachtsfall
Waldeck (LDS), Jeff Dominiak
Waldeck (LDS)
Jeff Dominiak, 25 Jahre
Angriffsdatum: 26.05.1993
Verdachtsfall
Cottbus, Georg Jürgen Uhl
Cottbus
Georg Jürgen Uhl, 46 Jahre
Angriffsdatum: 27.09.1997
Verdachtsfall
circle-black politisch motivierte Tat
circle-orange von Neonazis getötet, aber keine politische Tatmotivation erkennbar
circle-opred Verdachtsfälle*
circle-green ausgewählt


politisch motivierte Tat
von Neonazis getötet, aber keine politische Tatmotivation erkennbar
Verdachtsfälle
ausgewählt

In Brandenburg sind die meisten Todesopfer rechter Gewalt zu beklagen. Es ist das erste Bundesland, in dem die Landesregierung unabhängige WissenschaftlerInnen mit der Prüfung aller bisher umstrittenen Tötungsdelikte beauftragte. Für die Angehörigen war diese externe Überprüfung von großer Bedeutung, ignorierten Polizei und Justiz doch jahrelang die Frage nach dem „Warum“ und benannten als Ursache für die Morde statt dessen jugendlichen Leichtsinn, Alkohol, Langeweile oder auch Mordlust. Durch die Neu-Bewertungen des Moses-Mendelssohn-Zentrum (MMZ) der Universität Potsdam wurden neun weitere Menschen als Todesopfer rechter Gewalt in Brandenburg anerkannt.

Jedoch erfolgte die Beurteilung in Anlehnung an das polizeiliche Erfassungssystem „Politisch motivierte Kriminalität“ (PMK), deren Erfassungskriterien deutliche Mängel aufweisen. Taten werden nur dann als rechtsmotiviert eingestuft, wenn das politische Motiv nachweisbar tatauslösend oder tatbestimmend ist. Taten, bei denen sozialdarwinistische, rassistische oder andere rechte Einstellungen tatbegleitend oder tateskalierend eine Rolle spielen, werden in der PMK-Statistik nicht erfasst. Abweichend von der MMZ-Studie bewertet die Opferperspektive diese Tötungsdelikte weiterhin als rechte Gewalt. Die Ergebnisse der Studie und neue Informationen zu den Abläufen der Taten und deren Hintergründe sind in unsere Dokumentation eingeflossen.

Wir porträtieren das Schicksal von 22 Menschen, die in Folge von rechter, rassistischer und sozialdarwinistischer Gewalt ums Leben gekommen sind. Weiterhin dokumentieren wir Todesfälle, bei denen die Täter eindeutig der extrem rechten Szene zuzuordnen sind, ein politisches Tatmotiv aber anhand der untersuchten Akten durch das MMZ und ergänzenden Recherchen nicht erkennbar ist. Hinzu kommen Verdachtsfälle, die in der Rückschau nicht mehr abschließend zu bewerten sind. Das sind Fälle, bei denen Indizien darauf hinweisen, dass entweder die rechte, rassistische oder sozialdarwinistische Einstellung der Täter eskalierend auf das Tatgeschehen wirkte oder die Brutalität der Täter begünstigte. Oder Fälle, bei denen vorhandene Indizien wie ein rechter Täter oder die Zugehörigkeit des Betroffenen zu einer klassische Opfergruppe von den Ermittlungsbehörden und Gerichten ignoriert wurden. Bei zwei weiteren Verdachtsfällen gibt es deutliche Hinweise auf eine rechte Tatmotivation, eine abschließende Bewertung ist, aufgrund fehlender Akten in der Rückschau jedoch nicht mehr möglich.

Ein Gedenken benötigt die Anerkennung der tödlichen Gewalt als politisch motiviertes Verbrechen. Wir dokumentieren daher auch die Debatte über die Anerkennung(praxis) rechter Tatmotive durch Politik, Polizei und Justiz.

Wir wollen und können mit dieser Dokumentation keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, zumal von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Wir sind dankbar für neue Informationen und Hinweise auf Fehler, die uns bei der Recherche unterlaufen sein mögen.

Opferperspektive e.V., Februar 2016