Georg Jürgen Uhl

Leider ist uns zu Georg Jürgen Uhl, der am 23.06.1951 in Cottbus geboren wurde, darüber hinaus nichts bekannt.

Der Ort

In Cottbus existiert 1997 eine seit langem sehr aktive extrem rechte Szene. Sie wird in ihrer Gesamtheit stark von den Stützpunkten der örtlichen NPD und ihrer Jugendorganisation JN beeinflusst. Beide stellen Propagandamaterial und Geld, z.B. für Flugblätter des Arbeitskreis Heimatschutz Cottbus, zu Verfügung, organisieren Fahrten zu Nazi-Demos und schulen ideologisch. Einer der bekanntesten Neonazikader ist Frank Hübner. Er war bereits kurz nach der Wende Vorsitzender der „Deutschen Alternative/DA“ und gründete nach einem Haftaufenthalt mit anderen 1999 den „Kampfbund Deutscher Sozialisten/KDA“ Die Mehrheit der rechten Szene gehört in der zweiten Hälfte der 1990iger Jahre jedoch zu Cliquen und zur rechten Subkultur, die sich in Schulen, Jugendclubs, Kneipen und Wohnvierteln treffen oder gemeinsam zu Fußballspielen von Energie Cottbus gehen. Hier wird der Nachwuchs rekrutiert. Jugendliche, die nicht zur rechten Szene gehören wollen, werden schikaniert und angegriffen. Vor allem Cottbus-Sachsendorf und Schmelwitz sind ihre Hochburgen. Dort kommt es bereits seit 1989 regelmäßig zu Überfällen auf MigrantInnen, alternative Jugendliche und Linke.

Die Tat

Am 27. September 1997, vier Tage nachdem er Mathias Scheydt getötet hat, sucht der rechte Skinhead Reinhold K. seinen Nachbarn Georg Jürgen Uhl auf. Laut Aussage K.s schuldete Uhl ihm 10 DM, die er sich nun, auch mit Gewalt, zurückholen wollte. Gegen 22.00 Uhr geht er mit einer Flasche Wein zu Uhl, um sie in dessen Wohnung mit ihm zu trinken und sein Vertrauen zu gewinnen. Mit keinem Wort erwähnt er die Schulden und seine Rückforderung. Um den 45jährigen Uhl aus dem Haus zu locken, erzählt er ihm, „daß er wüßte, wo eine Palette Bier versteckt sei, und ob er mitkomme und tragen helfe“.1 Dieser stimmt zu. Gemeinsam verlassen beide die Wohnung und gehen den Weg bis zur Autobahn. Auch hier spricht K. Uhl nicht auf das Geld an, sondern lässt ihm im guten Glauben, sie gingen gemeinsam, das Bier zu holen. Nahe der Autobahn lässt K. Uhl vor sich gehen und greift ihn plötzlich von hinten an, rammt ihm sein Knie in den Rücken und reißt ihn zu Boden. Dann holt er das Messer aus seiner Jackentasche, mit dem er bereits wenige Tag zuvor Mathias Scheydt getötet hatte. Da er für das Aufklappen beide Hände benötigt, muss er Georg Jürgen Uhl loslasse. Dieser wehrt sich nun, schreit um Hilfe und kann im folgenden Handgemenge das Messer kurz an sich bringen. Doch K. entwendet ihm dies wieder, stopft Uhl, damit seine Schreie nicht zu hören sind, einen Stofffetzen in den Mund und rammt, auf seinem Opfer sitzend, ihm das Messer in den Oberkörper. Erst jetzt fragt er, mit der Stichwaffe drohend, nach seinem Geld und nimmt Uhl dafür kurzzeitig den Knebel aus dem Mund. Der Verletzte schreit jedoch nur voller Angst und Panik, sodass K. ihn wieder knebelt. Spätestens hier beschließt K. Uhl zu töten und versetzt ihn mehrere Messerstiche in den Oberkörper und gezielt in die Herzregion.
Um mögliche Beweise zu vertuschen setzt er anschließen die Wohnung von Georg Jürgen Uhl in Brand.
Der Verfassungsschutz nennt den Täter einen „extrem aggressiven Einzelgänger, der seine rechtsextremistischen Ansichten offen kundtut“.

Das Verfahren

Das Landgericht Cottbus verurteilt K. wegen zweifachen Totschlags in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung zu acht Jahren Jugendstrafe. Der Polizei war Reinhold K. bereits vor der Tat wegen Volksverhetzung und Verwenden von Kennzeichen verbotener Organisationen, aber auch wegen allgemeinkrimineller Delikte wie räuberischer Erpressung, KFZ-Diebstahl und Nötigung, bekannt. Im Polizei-System INPOL wird er als gefährlich eingestuft.2 Der psychologische Gutachter kommt in seinem Bericht für das Gericht zum Ergebnis: „Die Kriterien Empathie- und Verantwortungsmangel, vermindertes Schuldbewußtstein und die Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründig Rationalisierungen für das eigene Verhalten anzubieten, sind bei Herr K. deutlich nachweisbar. Und weiter heißt es, es ist „eher davon auszugehen, dass Herr K. gelernt hat, sich mit aggressivem Verhalten durchzusetzen und damit Akzeptanz oder gar Macht über andere auszuüben.“3

Im Prozess wird die rechte Gesinnung des Naziskins nicht thematisiert. Auch in seinem Urteil würdigt das Gericht nicht den Zusammenhang zwischen neonazistischen Gesinnung, sadistischer Gewalttätigkeit sowie Auswahl und Herabwürdigung der Opfer. Vielmehr stützt es sich fast ausschließlich auf die Einlassungen des Täters. Folgt man jedoch dem psychologischen Gutachten über Ronald K. wären Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit berechtigt gewesen.
Weder von den Ermittlungsbehörden, noch vom Gericht wird ein naheliegendes sozialdarwinistisches Tatmotiv geprüft, daher bewerten wir den Mord von Georg Jürgen Uhl weiterhin als Verdachtsfall.

Nach Recherchen in sozialen Netzwerken steht der Täter heute noch zu seiner rechten Gesinnung. Dort zeigt er sich als Anhänger der Brandenburger NPD und der JN und likt mehrere NPD Funktionäre. Auch Gewaltaufrufe gegen Asylsuchende sind 2015 auf seinem Profil zu finden.

Das Gedenken

Für Georg Jürgen Uhl hat bisher kein öffentliches Gedenken stattgefunden.


Die Quelle

1 Frank Jansen, Heike Kleffner, Johannes Radke und Toralf Staud, „149 Schicksale“, in: Tagesspiegel v. 31.05.2012.
2 Moses Mendelssohn Zentrum, Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Überprüfung umstrittener Altfälle Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt im Land Brandenburg seit 1990“, 2015, S. 122.
3 Ebd., S. 121.