Phan Van Toau

Neuneinhalb Jahre Haft für Totschlag an Vietnamesen
Quelle: Berliner Zeitung 24.10.1997
DIE TAT

Der 42-Jährige Vietnamese Van Toau Phan verdient sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf unverzollter Zigaretten am S-Bahnhof Fredersdorf, einem kleinen Ort nahe Berlin. Etwas abseits des Bahnhofvorplatzes befindet sich in einer alten Lagerhalle die Fahrradaufbewahrung, die vor allem von Berufspendlern genutzt wird. Sie dient auch einer Gruppe Alkoholiker als täglicher Treffpunkt zum Trinken und Zeittotschlagen. Einer von ihnen verdient sich ein paar Mark mit der Beaufsichtigung der Räder dazu. Dem Vietnamesen werden immer wieder die Zigaretten aus dem Versteck gestohlen. Als Diebe gelten die Mitglieder der Clique von der Fahrradaufbewahrung. Am Vormittag des 31. Januar 1997 kommt es zum Streit zwischen Van Toau Phan und den Männern. Der Vietnamese stellt sie wegen eines neuerlichen Zigarettendiebstahls zur Rede. Doch die Beschuldigten lassen nicht mit sich reden. Der 36-jährige Uwe Z. schlägt dem schmächtigen Zigarettenhändler ins Gesicht. Dann kommt der 30-jährige Olaf S. dazu. Der über 1.90 m große und 100 kg schwere Mann packt Van Toau Phan an den Hüften, hebt ihn hoch und schlägt seinen Kopf mehrmals mit voller Wucht auf den Steinboden. Van Toau Phan hat keine Chance, sich gegen den bulligen Mann zu wehren. Beim Aufprall bricht er sich zwei Halswirbel. [1] Die Täter flüchten und lassen den bewusstlosen Mann am Boden liegen. Seine Ehefrau, die das Tatgeschehen beobachtete, verständigt einen Krankenwagen. Van Toau Phan wird mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Er liegt mehrere Tage im Koma und ist fortan querschnittsgelähmt. Drei Monate kämpft der 42-Jährige Vietnamese um sein Leben. In einer Rehabilitationsklinik stirbt er schließlich an einem akuten Herz-Kreislauf-Stillstand. [2] Die Obduktion ergibt, dass der Tod die direkte Folge der schweren Misshandlungen war.

Fidschi getötet - kein Fremdenhaß?
Quelle: Tagesspiegel 24.10.1997
DAS GERICHTSVERFAHREN

Der Haupttäter Olaf S. bestreitet zwar jeglichen Fremdenhass, Bekannte von ihm sagen aber aus, er habe sich schon vor der Tat öfter abfällig über Ausländer geäußert. [3] Die Staatsanwaltschaft geht bei dem Angriff auf Van Toau Phan von "Ausländerhass" als Motiv aus. [4]Die Staatsanwaltschaft geht bei dem Angriff auf Van Toau Phan von "Ausländerhass als bestimmendes Motiv" aus und klagt Uwe S. wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen an. [4] Der leitende Staatsanwalt spricht im Prozess von „dumpfen Ausländerhass“. Selbst im Prozess äußert der Haupttäter rassistische Parolen wie "Fidschis raus aus Deutschland". [5]" Die 5. Strafkammer des Landgericht Frankfurt (Oder) sieht das Motiv jedoch als nicht erwiesen an und verurteilt den Haupttäter wegen Todschlags zu einer Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren. In der Urteilsbegründung heißt es: "Soweit überhaupt Wut auf Ausländer eine Rolle gespielt haben sollte, bildete diese jedenfalls nicht das dominante Motiv seines Handelns und war nur darauf gerichtet, daß die Vietnamesen ihren Standplatz etwas mehr abseits von der Fahrradaufbewahrung nehmen sollten."

[1] taz Nr. 5148, 07.02.1997: Aus Haß in den Rollstuhl geprügelt
[2] Berliner Zeitung, 03.05.1997: Staatsanwaltschaft prüft Anklage wegen Mordes. Mißhandelter Vietnamese gestorben
[3] taz Nr. 5148, 07.02.1997: Aus Haß in den Rollstuhl geprügelt
[4] Die Zeit, 20.03.2013: 152 Schicksale
[5] Ebenda